So funktioniert das Losverfahren

Zwei Prinzipien leiten die Zufallsauswahl der Bürger:innen für den Bürgerrat „Deutschlands Rolle in der Welt":

  1. Da der Bürgerrat „Deutschlands Rolle in der Welt“ ein bundesweites Verfahren ist, muss das Konzept zur Ziehung der Stichprobe sicherstellen, dass alle Teilnahmeberechtigten, also alle Einwohner:innen Deutschlands ab 16 Jahren, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, theoretisch die Möglichkeit zur Teilnahme haben.
  2. Der Bürgerrat soll Deutschland im Kleinen abbilden. Unter den 160 Teilnehmenden sollen die Geschlechter, Bundesländer, Ortsgrößen, aus denen die Teilnehmenden kommen, Bildungsabschlüsse und Migrationserfahrungen so abgebildet sein, wie sie in der Gesamtbevölkerung Deutschlands verteilt sind.

Diese Prinzipien werden durch eine gestaffelte Zufallsauswahl der Gemeinden, der Bürger:innen sowie die anschließende Zusammenstellung des Teilnehmendenkreises aus den Anmeldungen nach den oben genannten Kriterien umgesetzt.

1. Gestaffelte Zufallsauswahl

In Deutschland besteht die Möglichkeit, Zufallsstichproben aus den kommunalen Einwohnermelderegistern zu ziehen. Dieses Verfahren kommt üblicherweise bei losbasierten Beteiligungsverfahren in Deutschland zur Anwendung und wird auch für den Bürgerrat „Deutschlands Rolle in der Welt“ verwendet. Gegenüber einer Zufallsstichprobe aus dem Telefonbuch bietet die Ziehung aus dem Melderegister den Vorteil, dass nicht Haushalte ausgewählt werden, zu denen ja mehrere Personen gehören können. Außerdem können auch diejenigen erreicht werden, die keinen Festnetzanschluss besitzen.

Da der Bürgerrat „Deutschlands Rolle in der Welt“ ein bundesweites Verfahren ist, muss das Konzept zur Ziehung der Stichprobe sicherstellen, dass alle Teilnahmeberechtigten, also alle Einwohner:innen mit deutscher Staatsbürgerschaft ab 16 Jahren theoretisch die Möglichkeit zur Teilnahme haben. Um das zu gewährleisten, erfolgt eine gestaffelte Zufallsauswahl.

Zunächst werden aus dem amtlichen Gemeindeverzeichnis in allen Bundesländern Gemeinden zufällig ausgelost. An die Einwohnermeldeämter dieser Gemeinden ergeht anschließend ein Antrag, eine Zufallsstichprobe von Bürger:innen aus ihrem Melderegister zu ziehen und dem Bürgerrat „Deutschlands Rolle in der Welt“ für die Einladung der Teilnehmenden zur Verfügung zu stellen.

Technisch wird sowohl die Auswahl der Gemeinden als auch der Bürger:innen über Algorithmen realisiert. Bei der Auswahl der Gemeinden hat das nexus Institut dafür in einer Excel-Datei die Funktion „Zufallsbereich“ auf alle Gemeinden, geordnet nach Bundesländern und gestaffelt nach Größenklassen, verwendet. Auch die Einwohnermeldeämter, die die Adressdaten liefern, verwenden Algorithmen zur zufälligen Ziehung aus ihren Registern.

2. Größe der Stichprobe

Um auf die gewünschte Zahl von 160 Teilnehmenden zu kommen, müssen sehr viel mehr Bürger:innen eingeladen werden, als am Bürgerrat teilnehmen können. Das liegt daran, dass viele zufällig ausgewählte Personen aus unterschiedlichen Gründen nicht am Bürgerrat teilzunehmen können. Häufig genannte Gründe sind Krankheit und Alter, die Beschwerlichkeit der Anreise, Familienfeiern, Urlaubsreisen und berufliche oder andere Verpflichtungen. Natürlich gibt es auch Menschen, die kein Interesse am Thema oder an Diskussionsveranstaltungen im Allgemeinen haben. Ziel ist es, dass durch die Einladungen mehr als 160 Personen Interesse an einer Teilnahme haben. Dadurch wird es möglich, dass im Bürgerrat „Deutschlands Rolle in der Welt“ auch jene Personengruppen vertreten sind, die üblicherweise in demokratischen Prozessen wenig repräsentiert sind. Des Weiteren wollen wir auch eine Gruppe von Nachrücker:innen bilden, falls jemand kurzfristig doch verhindert ist. Damit am Ende 160 Menschen im Bürgerrat zusammenkommen, werden daher mehr als 5.200 Menschen in ganz Deutschland angeschrieben.

3. Verteilung der Stichprobe auf die Bundesländer

Das Ziel der Abbildung Deutschlands im Kleinen heißt, dass die Zusammensetzung der Teilnehmerschaft des Bürgerrats den Anteil der Bevölkerung der 16 Bundesländer an der Gesamtbevölkerung abbildet. Deshalb wird aus den verschiedenen Bundesländern anhand ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung eine unterschiedliche Anzahl von Personen zum Bürgerrat eingeladen.

Bundesland Einwohner­zahl Prozent der Bevölkerung Größe der Stichprobe Anvisierte Anzahl der Teilnehmenden

Baden-Württemberg

11 069 533

13%

693

21

Bayern

13 076 721

16%

819

25

Berlin

3 644 826

4%

228

7

Brandenburg

2 511 917

3%

157

5

Bremen

  682 986

1%

43

1

Hamburg

1 841 179

2%

115

4

Hessen

6 265 809

8%

392

12

Mecklenburg-Vorpommern

1 609 675

2%

101

3

Niedersachsen

7 982 448

10%

500

15

Nordrhein-Westfalen

17 932 651

22%

1123

35

Rheinland-Pfalz

4 084 844

5%

256

8

Saarland

990 509

1%

62

2

Sachsen

4 077 937

5%

255

8

Sachsen-Anhalt           2 208 321 3% 138 4
Schleswig-Holstein 2 896 712 3% 181 6
Thüringen 2 143 145 3% 134 4
Summe 83 019 213 100% 5200 160

4. Auswahl der Gemeinden nach Größenklassen

Grundlage der Auswahl bildet das amtliche Gemeindeverzeichnis aller politisch selbständigen Gemeinden (mit Gemeindeverband) in Deutschland (Stand 31.12.2018), das vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wird (www.destatis.de).

In der öffentlichen Diskussion über Politikverdrossenheit wird, insbesondere wenn das Gefühl des „abgehängt Seins“ analysiert wird, häufig auf den siedlungsgeografischen Gegensatz von Stadt und Land abgehoben. Um die unterschiedlichen Lebensverhältnisse besser in der Stichprobe der Teilnehmenden abbilden zu können, haben wir in der ersten Stufe der Zufallsauswahl die Gemeindegröße berücksichtigt.

Dazu orientieren wir uns an existierenden Systematiken der Klassifizierung von Gemeinden nach Größe in Einwohnern, wie sie z.B. der Deutsche Städtetag zur Erfassung von Kommunen verwendet. Zur besseren Handhabbarkeit der Zufallsstichprobe haben wir mit vier Größenklassen gearbeitet.

Gemeindetyp Einwohnerzahl Größenklasse
Großstadt > 100.0000 I
Mittelstadt 20.000 - unter 100.000 II
Kleinstadt 5.000 - unter 20.000 III
Landgemeinde unter 5.000 IV

In den Stadtstaaten wird die Zufallsstichprobe gleich auf Landesebene gezogen, in allen Flächenländern werden aus diesen vier Größenklassen die teilnehmenden Gemeinden per Zufall ausgewählt. In diesen Gemeinden wird dann im nächsten Schritt die Zufallsstichprobe aus dem Einwohnermelderegister beantragt.

4.1 Auswahl der Gemeinden

Die Auswahl der Gemeinden erfolgt aus dem amtlichen Gemeindeverzeichnis anhand der Funktion „Zufallszahl“ von Excel. In jeder Größenklasse wird jeweils ein Auswahlbereich zwischen 1 und 5.000 angegeben, so dass alle Gemeinden der Größenklasse eine zufällige Zahl zugeordnet bekommen. Anschließend werden die Gemeinden aufsteigend sortiert. Die Gemeinde, die die niedrigste Zufallszahl erhalten hat, gilt als ausgewählt.

Der Anteil der Gemeinden einer Größenklasse an der gesamten Stichprobe des Bundeslandes entspricht dem Anteil, den Gemeinden dieser Größenklasse an der Gesamtheit aller Gemeinden des Bundeslandes haben.

Wenn die Anzahl derjenigen, die zum Verfahren aus der Größenklasse in dem Bundesland eingeladen werden sollen, höher ist als 2 % der Bevölkerung, wird die Gemeinde mit der nächstgrößeren Zufallszahl in die Auswahl der Gemeinden dieser Größenklasse einbezogen. Die 2 %-Grenze ist gesetzt worden, damit nicht per Zufall Familien oder Freundeskreise eine Gemeindegröße für ein Bundesland repräsentieren. Da es in manchen Bundesländern sehr kleine selbstständige Gemeinden gibt, sind in der vierten Größenklasse nach diesem Verfahren bis zu neun Gemeinden ausgewählt worden (Rheinland-Pfalz).

5. Mini Publics: Deutschland im Kleinen durch das Los

Losbasierte Bürgerbeteiligungsverfahren werden auch „Mini Publics“ genannt. Eine Bezeichnung, die die Aufmerksamkeit darauf richtet, dass durch das Los die Gesellschaft im Kleinen abgebildet wird. Damit Deutschland wirklich abgebildet ist, nehmen wir im Bürgerrat „Deutschlands Rolle in der Welt“ neben der räumlichen Verteilung der Teilnehmenden in einer weiteren Stufe auch noch andere Kriterien für die Zusammenstellung der 160 Mitglieder des Bürgerrats in den Blick.

5.1 Zusammenstellung der Teilnehmenden nach weiteren Kriterien

Die Zufallsauswahl garantiert grundsätzlich eine Vielfalt der Teilnehmenden, wie sie bei anderen Verfahren, die zum Beispiel auf öffentlichen Einladungen basieren, nicht erreicht wird. Deshalb sind Beteiligungsverfahren, die auf einem Losverfahren der Teilnehmenden beruhen, besonders inklusiv. Doch auch bei dieser Methode gibt es Personengruppen, die im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung überrepräsentiert sind: Dies gilt beispielsweise insbesondere für die Gruppe der Hochgebildeten. Um dem entgegen zu wirken, werden die Teilnehmenden aus den positiven Rückmeldungen so zusammengestellt, dass sie Deutschland im Kleinen möglichst gut abbilden.    

Ausschlaggebend dafür ist, dass die Verteilung soziodemografischer Merkmale der Teilnehmenden im Bürgerrat möglichst genau der Verteilung in der Gesamtbevölkerung entspricht. Neben der räumlichen Verteilung werden folgende Merkmale berücksichtigt: Geschlecht, Altersgruppe, Bildungsstand und Migrationshintergrund.

Zum Teil sind diese Daten schon in den Daten der Einwohnermelderegister enthalten, zum Teil werden sie mit der Rückmeldekarte, die alle Eingeladenen erhalten, erhoben.

In der folgenden Tabelle sind die statistischen Werte angegeben, an denen sich die Zusammensetzung des Bürgerrats „Deutschlands Rolle in der Welt“ orientiert.

Geschlecht Anteil an der Bevölkerung ab 15 Jahren
  Männlich   49,3 %
  Weiblich   50,7 %
Alter Anteil an der Bevölkerung ab 14 Jahren
  14 - 24   12,8 %
  25 - 39   21,9 %
  39 - 65   40,4 %
  65 und älter   24,9 % 
Höchster Bildungsabschluss Anteil der Bevölkerung über 15 Jahre in %
  noch Schüler bzw. Schülerin   3,6 %
  ohne Abschluss   4,0 %
  Hauptschule   29,6 %
  mittlerer Bildungsabschluss, einschließlich POS   29,9 %
  Fach-/allgemeine Hochschulreife   14,3 %
  Hochschulabschluss, einschließlich Promotion   17,6 %
Migrationshintergrund Anteil der Bevölkerung über 15 Jahre in %
  Deutsche Staatsbürger mit eigener
Migrationserfahrung oder Eltern mit
Migrationserfahrung
  12,1 %