Bürgerrat zu Deutschlands Rolle in der Welt findet komplett online statt

Der zweite deutschlandweite geloste Bürgerrat mit dem Thema „Deutschlands Rolle in der Welt“ wird komplett online stattfinden. „Wir müssen die Umstände berücksichtigen und der Demokratie trotzdem alle Möglichkeiten lassen. Deshalb organisieren wir den ganzen Bürgerrat online und machen aus der Not eine Tugend“, erklärt Claudine Nierth, Vorstandssprecherin des Vereins Mehr Demokratie, der den Bürgerrat angeschoben hatte.

Im Zeitraum zwischen dem 13. Januar und dem 20. Februar 2021 werden die 160 Ausgelosten jeden Mittwoch sowie an vier Samstagen online zusammenkommen. „Wir sind überzeugt, dass die persönliche Begegnung eine ganz besondere Qualität in politische Verfahren bringt“, sagt Nierth. „Andererseits biete ein Online-Format viele Chancen. So lassen sich zum Beispiel Expertinnen und Experten gewinnen, für die eine Veranstaltung vor Ort nicht zur Verfügung stehen.“ Auch für die Teilnehmenden sei die Hürde niedriger, sich an einem Online-Bürgerrat zu beteiligen, da sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Beim Bürgerrat wird dafür gesorgt, für alle Teilnehmenden die nötigen technischen Voraussetzungen zu schaffen. Bei Bedarf sollen beispielsweise Laptops, stabile Internetverbindung sowie Unterstützung bei der technischen Anwendung zur Verfügung gestellt werden.

„Unser Ziel ist es, neben dem inhaltlichen Thema auch das Verfahren Bürgerrat weiter zu erproben und zu entwickeln. Ein Online-Bürgerrat ist nicht nur der Corona-Situation angemessen, sondern verspricht auch weitere neue Erkenntnisse im Vergleich zum ersten Bürgerrat“, erläutert Nierth. Für den ersten deutschlandweiten Bürgerrat, den „Bürgerrat Demokratie“, hatten sich 160 ausgeloste Menschen an zwei Wochenenden im September 2019 in Leipzig getroffen.

Vorteile eines Online-Formats könnten sein:

  • Durch die wöchentlichen Arbeitssitzungen könne die Teilnehmenden das Thema noch tiefer durchdringen.
  • Es wird mehr Möglichkeiten für interessierte Beobachterinnen und Beobachter geben, einen Eindruck von der Arbeitsweise eines Bürgerrats zu bekommen.
  • Es lassen sich beliebig viele Kleingruppen bilden, da man nicht auf große und viele Räume angewiesen ist.
  • Die Bürgerrats-Sitzungen können besser in den Alltag der Gelosten integriert werden – die Anreise und mehrtägige Abwesenheit fallen als Hindernisse weg.
  • Fragen und Ideen lassen sich online leichter sammeln und sortieren und es können leichter digitale Instrumente zur Veranschaulichung eingesetzt werden.
  • Bei regelmäßigeren Treffen kann die Zeit zwischen den einzelnen Terminen genutzt werden, z.B. für kleine Aufgabenstellungen wie die Präzisierung einer Frage.
  • Die Zeit zwischen den Arbeitseinheiten einer Sitzung kann vielfältiger genutzt werden, z.B. durch gemeinsame virtuelle Kaffeepausen, Bewegungs- oder Entspannungs-Angebote, Einzelarbeit…
  • Neue digitale Beteiligungstools können angewandt werden und ermöglichen effektive Ergebnisse.

Eine umfassende Übersicht von Vor- und Nachteilen eines Online-Bürgerrats finden Sie hier.

Das Projekt wurde initiiert von Mehr Demokratie und der Initiative EsgehtLOS! und ist eine direkte Folge des Bürgerrats Demokratie, der u.a. die Etablierung geloster Bürgerräte auf Bundesebene vorschlägt. Der Verein ermöglicht auf Wunsch des Ältestenrates des Bundestags unabhängig und spendenfinanziert die schnelle Umsetzung eines zweiten Bürgerrats. Mit der Durchführung sind die Institute nexus, IFOK und IPG betraut. Die Vorschläge dazu, wie „Deutschlands Rolle in der Welt“ aussehen kann, sollen am 19. März Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble als Schirmherrn des Bürgerrats sowie dem Bundestag überreicht werden.